Prothese des oberen Sprunggelenkes - OSG Prothese

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Wie hilft eine Prothese des oberen Sprunggelenkes?

Bild des OSG-Prothese Modell „Infinity“ der Firma Stryker mit dem Vorteil der sparsamen Resektion und dem Vorteil, den Knochen unter der Talus-Komponente beurteilen zu können.

Die Sprunggelenksprothese ist eine Möglichkeit, eine weit fortgeschrittene Arthrose des oberen Sprunggelenkes zu behandeln. Hauptziel des prothetischen Ersatzes ist es, die Beweglichkeit im Sprunggelenk zu erhalten und damit ein normaleres Gangbild zu gewährleisten als dies mit einer Versteifung des Gelenks möglich ist. Allerdings ist das obere Sprunggelenk biomechanisch ungleich komplexer als beispielsweise Hüft- oder Kniegelenk, weshalb diese Prothesen in ihren Ergebnissen lange Zeit dem Sprunggelenk überlegen waren. Dies, weil es bisher noch nicht gelungen ist, der komplizierten Biomechanik des oberen Sprunggelenkes in allen Punkten zu entsprechen. Ein Hüftgelenk ist vergleichsweise einfach ein Kugelgelenk mit einer grossen Fläche, ein Kniegelenk eine Art Walzen-Gelenks, welches sich noch nach vorne/hinten verschiebt, aber auch mit einer sehr grossen Fläche. Das obere Sprunggelenk selbst ist nur 7 cm², und davon sind meist nur ca. 40% der Fläche in Kontakt. Das Gelenk macht eine komplizierte Roll-Gleit-Dreh-Bewegung, sodass es mit der sehr geringen Fläche und der komplexen Bewegung schwierig ist, eine Prothese zu bauen, welche lange hält. Die Sprunggelenksprothesen haben allerdings in den letzten 10-20 Jahren einen deutlichen Entwicklungsschub erlebt. Insbesondere digitale Entwicklungen haben die biomechanischen Eigenschaften der Prothesen verbessert. Heutzutage ist es möglich, sogar für jeden Patienten individualisierte, computer-navigierte OSG Prothesen einzusetzen, welche den Knochen nur sparsam resezieren und die individuelle Gelenksgeometrie möglichst gut berücksichtigen.

Was sind mögliche Auslöser/Ursachen für Arthrose?

Eine Arthrose des oberen Sprunggelenkes entsteht in 80% der Fälle aufgrund eines Unfalles. Dies kann eine einmalige heftige Distorsion des oberen Sprunggelenkes, eine chronische OSG Instabilität, ein Unfall mit Bruch der Knochen sein oder auch in 20% ohne erkennbare Ursache nur im Rahmen des Älterwerdens auftreten.

Was für Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Ist die Arthrose des oberen Sprunggelenks soweit fort geschritten, dass konservative Massnahmen (Schmerzmittel, Chondroprotektiva, orthopädische Schuhversorgung, Gewichtsabnahme, Sport-Modifikation) und gelenkerhaltender Therapie (Osteotomien, um den Fuss mechanisch wieder in eine optimierte Stellung zu bringen, da die meisten Arthrosen in der sogenannten Varus Stellung sind (O-Stellung) nicht mehr erfolgversprechend sind, bleiben letztlich die Versteifung oder der künstliche Ersatz (OSG-Prothese) des Gelenks.

Welche Vorteile hat eine OSG-Prothese gegenüber der Versteifung?

Röntgenbild eines OSG-Prothese Modell „Infinity“ der Firma Stryker, welches auch mit Computer-navigierten Schnittblöcken eingesetzt werden kann.

Eine OSG-Prothese kann die Beweglichkeit wie vor der Operation erhalten. Hier ist wichtig: Nach der Implantation einer OSG Prothese bewegt das Gelenk bestenfalls gleichviel wie vor der Operation aber nicht wie damals, als noch keine Arthrose vorhanden war. Dies, da die Kapsel und Weichteile sich über die Jahre ebenso vernarbt und eingesteift haben. Die Restbeweglichkeit, die so erhalten werden kann, ist aber insbesondere wertvoll, wenn noch weitere Gelenke am Fuss (unteres Sprunggelenk, Mittelfuss) versteift wurden oder bereits arthrotisch sind, um den weiteren Verschleiss dieser Gelenke infolge Mehrbelastung zu minimieren. Des Weiteren ist das Gangbild und das Geh-Gefühl natürlicher, wenn das Gelenk noch bewegt, als wenn es ganz steif ist. Allerdings sind bezüglich wissenschaftlicher Resultate von OSG-Prothesen versus OSG-Versteifung praktisch keine Unterschiede objektiv messbar: die Ganggeschwindigkeit nach OSG-Prothesenimplantation ist vergleichbar wie nach einer Versteifung. Ebenfalls kann kein Unterschied bezüglich Schmerzen festgestellt werden. Selbst bezüglich der Wahrscheinlichkeit, dass die benachbarten Gelenken wie das untere Sprunggelenk, Mittelfuss oder Knie, Hüfte, Rücken mittelfristig beeinträchtigt werden ist statistisch nicht unterschiedlich.

Welche Vorteile hat eine Versteifung (Arthrodese) im Vergleich zur OSG Prothese?

Eine Versteifung hält lebenslang, sie kann uneingeschränkt mechanisch belastet werden (z.B. Kampfsport, Soldaten, Bauarbeiter). Zusätzlich kann eine Arthrodese arthroskopisch oder Mini-open durchgeführt werden, was das Operations-Trauma minimiert. Eine OSG Prothese hat eine Revisionsrate von 10-20% innert 10-20 Jahren. Das heisst, dass innert 10-20 Jahren jeder 5-10. Patient sich einer erneuten Operation zum Wechsel von Prothesenkomponenten oder einer endgültigen Versteifung unterziehen muss. Dies ist abhängig von der Definition, wie das sogenannte Überleben der Prothese definiert wird in Studien (Ausbau der ganzen Prothese, Ausbau eines Teiles der Prothese, Wechsel des Inlays). Des Weiteren muss gemäss manchen Studien in 50% der Fälle innert Jahren irgendeine Form von Revisionseingriff ausserhalb der eigentlichen Prothesenteile (Entfernung von Ossifikationen, Bänder optimieren, eventuell über eine Fersenosteotomie die Mechanik optimieren) durchgeführt werden. Dies alles entfällt bei einer Versteifung.

Was ist das Problem bei einem Wechsel der OSG Prothese?

Bei jedem Wechsel verliert man zwischen 4 mm bis zu 2-3 cm Knochen. Dies, da beim Abrieb der Prothesenteile der Körper versucht, diesen Abrieb-Staub zu entfernen und über eine Entzündungsreaktion zu resorbieren/entfernen (Diese Reaktion geschieht bei jeglichem Fremdkörper, auch bei Bakterien, Tätowierpigmente etc). Dabei entstehen ausgedehten Löcher (Zysten) im Knochen, welche gut 2-3 cm gross sein können. Sollte dann eine Prothese gewechselt werden, muss dieser Defekt entweder mit Knochen (der meist vom Beckenkamm des Patienten entnommen wird oder aus Leichtenknochen stammt) oder Metall aufgefüllt werden. Die Biomechanik des Sprunggelenks ist bei diesen Revisionsprothesen noch unnatürlicher als bei den Erstimplantaten, womit das Risiko für weitere Revisionseingriffe steigt. In manchen Fällen sind die Defekte so gross, dass keine Prothese mehr verankert werden kann. In solchen Fällen muss eine aufwändige Versteifungsoperation meist mit Verwendung von Fremdknochen durchgeführt werden. Diese Revisions-Versteifungen sind um ein vielfaches komplexer als eine direkte primäre Versteifung.

Weitere Informationen zum Thema (tiefergehendes Wissen)

Weitere Informationen zu OSG-Arthrose, OSG-Porhtse und OSG-Arthriodese (Versteifung) finden Sie unter:

Arthorse des oberen Sprunggelenkes

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