Knorpel-Therapien-Knorpelschäden

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Was kann Knorpelschäden am Knöchel führen?

Knorpel-Therapie mit einer AMIC-Plastik (= autologe Matrix-induzierte Chondrogenese) bei Osteo-Chondralem Defekte (= OCD) am Talus. Intraoperative Bilder: (a) Der Innenknöchle wurde aufgesägt (Osteotomie) um überhaupt Zugang zum Knorpeldefekt zu erhalten; (b) der Defekt wurde mit frischem gesundem Knochen aus dem Becken aufgefüllt, (c) eine zugeschnittene Condroguide Membran wurde mit Fibrinkleber aufgebracht.

Knorpel ist die weisse, kompakte Gleitschicht in einem Gelenk ähnlich wie der Pneu auf einem Autorad. Verglichen mit Knorpel an anderen Körperstellen, ist der Gelenkknorpel an Fuss und Sprunggelenk mit ca. 1mm ausgesprochen dünn (Hüfte, Kniegelenk ca. 3-6mm). Bei kleinerer Gelenksoberfläche muss der Knorpel am Fuss jedoch die gleiche Gesamtbelastungen tragen. Er ist deshalb speziell widerstandsfähig aufgebaut. Eine wichtige Besonderheit von Knorpel ist seine praktisch fehlende Regenerationsfähigkeit. Einmal geschädigter Knorpel wird bestenfalls durch minderwertigen Ersatzknorpel (Faserknorpel) ersetzt. Ein lokaler Knorpelschaden kann durch eine Knorpelplastik (z.B. AMIC-Plastik = autologe matrix-induzierte Chondrogenese) behandelt werden. Wenn der Knorpelschaden grösser wird, entwickelt sich eine Arthrose. Ist diese weit genug fortgeschritten und helfen konservative oder gelenkserhaltende Massnahmen nicht mehr, kann diese nur noch je nach betroffenem Gelenk durch eine Versteifung oder Prothesenimplantation, bei Zehengelenken gar Gelenksresektionen behandelt werden.

Welche Symptome treten bei Betroffenen auf?

Das Ausmass von Beschwerden bei einer Knorpelläsionen (sogenannte Osteo-Chondrale Defekte = OCD oder – Läsionen = OCL) ist breit gefächert. Es reicht von asymptomatischen Zufallsbefunden bis hin zu stark symptomatischen Läsionen, die zu einer starken Einschränkung der physischen Leistungsfähigkeit führen können. Häufig äussern sich osteochondrale Läsionen mit stechenden Schmerzen bei Belastung, welche klassischerweise „tief drin im Gelenk“ lokalisiert werden. Die Therapie gestaltet sich entsprechend Beschwerdeausmass.

Was sind mögliche Auslöser/Ursachen für Fersen-Schmerzen?

Die meisten lokalen osteochondralen Läsionen am oberen Sprunggelenk (80%) sind Folge eines Unfalls. Die Unfallmechanismen reichen von Frakturen, einmaligem Verstauchen des oberen Sprunggelenkes, über chronische Instabilität des oberen Sprunggelenkes bis zu direkten Anpralltraumata z.B. B. im Mittelfuss oder an der Grosszehe.

Arthrotische Veränderungen am Fuss und Sprunggelenk treten aber auch durch eine Fehlstellung im Sinne eines Plattfusses oder Hohlfusses auf, insbesondere im Rück- und Mittelfuss. Arthrosen im Vorfuss treten häufig ohne auslösendes Ereignis typischer Weise mittleren Alter auf und sind Folge des Älterwerdens. Daneben gibt es eine Vielzahl systemischer Erkrankungen, z.B. aus dem Formenkreis der rheumatischen Erkrankungen, welche zu einer chronischen Schädigung des Gelenkknorpels führen.

Was für Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Therapieform der Knorpelschäden wird in Abhängigkeit vom Ausmass der Läsion und der korrelierenden Beschwerden ausgewählt. Wichtig ist dabei zu verstehen, dass eine Heilung im eigentlichen Sinne nicht möglich ist, da Knorpel wie erwähnt ein sehr geringer Regenerationspotential hat. Bei wenig Beschwerden eignet sich die Einnahme von Chondroprotektiva (z.B. Condrosulf), ACP Infiltrationen (autologes conditioniertes Plasma), Ostenil-Infiltrationen sowie mechanische Entlastung mit einer Sportpause, Stabilisierung des oberen Sprunggelenkes in der Physiotherapie sowie das Tragen von orthopädischem Schuhwerk oder orthopädischer Fussbettung zum Ausgleich von Fehlstellungen. Sollte dies nicht genügend helfen, muss bei Fällen mit lokalisiertem Knorpelschaden dieser entfernt werden. Knorpel selbst hat keine Nervenfasern und schmerzt nicht, schmerzhaft ist der Knochen direkt unter dem Knorpel, welcher die Nervenfasern enthält. Dieser muss bei einer Operation wie ein Loch beim Zahnarzt ausgebohrt werden und mit gesundem Knochen z.B. von der distalen Tibia, dem Schienbeinkopf, vom Kniebereich oder Beckenbereich aufgefüllt werden. Dann wird eine spezielle Knorpelmembran darüber gelegt (Chondroguide-Membran, AMIC-Plastik = autologe Matrix-induzierte Chondrogenese). Neuere Techniken erlauben auch, dass man autologen (eigenen) Knorpel direkt während der Operation kostengünstig vermehrt und dann wieder auf den aufgefüllten Defekt aufträgt (Autocart). Die herkömmliche Knorpeltransplantation (ACT = autologe Chondrozyten-Transplantation) ist demgegenüber ein mehrfaches teurer und bedingt zwei Eingriffe.

Wie ist die Nachbehandlung nach einer Knorpel-Therapie?

Nach der Operations wird der Knorpel während 8 Wochen mechanisch, durch das Verwenden von Stöcken und einer Unterschenkelorthese, entlastet. Eine belastungsfreie Bewegung des betroffenen Gelenks wirkt sich ab einem bestimmten Zeitpunkt allerdings günstig auf die Knorpelregeneration aus. Zusätzlich werden diverse Nahrungsergänzungsmittel verwendet, um dem Knorpel beim Aufbau zu helfen (Condrosulf, Vitamin D und Kalzium).

Wie sind die Erfolgschancen von Knorpeltherapien?

Dies hängt vom Alter des Patienten ab. Bei jungen Patienten in der Adoleszenz heilen osteochondrale Läsionen zum Teil komplett von alleine (mit Stockentlastung). Ab ca. 20 Jahren bis zu ca. 30-40 Jahre beträgt die Erfolgschance zwischen 60-80%, dass der Knorpel und der transplantierte Knochen einheilt. Jenseits dieser Altersgrenze nimmt die Erfolgschance ab. Da häufig aber nur sehr einschneidende andere Alternativen bestehen (wie z.B. eine Versteifung oder eine Prothese), macht es unter Umständen Sinn, auch beim älteren Patienten lokale Knorpeldefekte entsprechend mit einer Knorpeltherapie zu behandeln. Selbst bei über 70-jährigen Patienten können unter Umständen gute Resultate erzielt werden, wenn auch die Erfolgschance in dieser Altersklasse geringer ist. Wichtiger als das Alter auf dem Papier ist hierbei das biologische Alter eines Patienten.

Weitere Informationen zum Thema (tiefergehendes Wissen)

Weitere Informationen zu Knorpelschäden finden Sie unter:

Knorpelschaden, Osteochondraler Defekt