Hallux rigidus – die Arthrose des Grosszehen-Grundgelenkes

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Was ist Hallux rigidus?

Die Arthrose des Grosszehen-Grundgelenkes (Hallux rigidus) kann unterschiedlich weit fortgeschritten sein. Dabei sind die Schmerzen aber nicht direkt zum Schweregrad korreliert. Bereits eine kleine, lokalisierte Knorpelläsion kann einem Patienten stärkste Schmerzen bereiten, währenddem eine fortgeschrittene Arthrose des Grosszehengrundgelenks über Jahre entstehen und nur wenig Beschwerden verursachen kann. Vielfach kann ein Hallux rigidus in einem frühen bis mittleren Stadium erfolgreich konservativ, d.h. ohne Operation behandelt werden. Helfen diese Massnahmen nicht mehr, bestehen weitere verschiedene operative Möglichkeiten.

Welche Symptome treten bei Betroffenen auf?

Der Hallux rigidus kann einerseits durch die arthrotischen Vorgänge im Gelenk selber Schmerzen verursachen. Diese sind meist belastungsabhängig. Es kann auch ein Anlaufschmerz und gelegentlich auch Ruheschmerz bestehen. Daneben versucht der Körper, das Gelenk selber zu «versteifen» und bildet am Gelenkrand grosse Knochensporne (Osteophyten, Abb. 1). Diese führen zu einer sichtbaren Vorwölbung des Gelenks und da darüber wenig polsternde Weichteile sind, auch rasch zu Druckschmerzen im Schuhwerk. Ausserdem führen die Knochensporne zu einer Reduktion des Bewegungsumfangs und beim Forcieren der Beweglichkeit, z.B. beim Abrollen zum Anschlagen der Sporne gegeneinander, was stark schmerzhaft sein kann (sog. Impingement).

Was sind mögliche Auslöser/Ursachen für Hallux rigidus?

Eher selten liegt eine klar erkennbare Ursache für die Arthrose des Grosszehen-Grundgelenks, wie z.B. ein Unfall, vor. Sehr häufig lässt sich keine Ursache identifizieren. Am häufigsten betroffen sind Frauen im Alter um 50 Jahre. Eine familiäre Häufung ist vorhanden und am häufigsten treten die Arthrosen einseitig auf.

Was für Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Hallux rigidus mit Dauerschmerzen nach der Operation (Arthrodese)

Als ersten therapeutischen Schritt kann das Schuhwerk angepasst werden. Da vorallem die Bewegung Schmerzen auslöst, können viele Patienten besser in festen Schuhen, wie z.B. einem Trekking- oder Wanderschuh mit fester und dicker Sohle laufen. Ganz optimal sind Steigeisen-feste Wanderschuhe, welche den Abrollvorgang im Grosszehen-Grundgelenk komplett blockieren. Auch flexiblere Schuhe, z.B. Business-Schuhe können durch das Tragen einer orthopädischen Einlage mit Carbonversteifung so verstärkt werden, dass der Patient damit wieder gut laufen kann. Bei akuten Schmerzausbrüchen (Aktivierung der Arthrose) können vorübergehend entzündungshemmende Schmerzmittel (z.B. Ponstan, Voltaren) helfen und es können auch Chondroprotektiva (z.B. Condrosulf) oder Infiltrationen mit Chondroprotektiva (z.B. Ostenil) oder Eigenblut (ACP = autologes konditioniertes Plasma) verwendet werden. Desweiteren müssen Bewegungen mit starker Dorsalextension vermieden werden wie z.B. ein Ausfallschritt im Fitnesstraining oder Sport, der Zehenspitzenstand z.B. bei Yoga oder beim Tanzen. Dies, da die verstärkte Dorsalextension das Gelenk reizt und belastet und eventuell schon vorhandene Osteophyten (Knochensporne) aneinanderdrückt und so das Gelenk weiter gereizt und die Arthrose «aktiviert» wird.
Operativ kann in einem mittelschweren Stadium (typischerweise wenn der Patient Schmerzen bei Bewegung hat, aber keine Nachtschmerzen) entweder eine Gelenkstoilette erfolgen (Cheilektomie) oder eine gelenkserhaltende Operation (Barouk/Moberg Osteotomie), bei der die Mechanik des MTP-1-Gelenkes verbessert wird. Man hat festgestellt, dass bei Arthrose häufig das Metatarsale 1 hochsteht und damit auch die Beweglichkeit blockiert. Dies kann mit einer Barouk-Operation korrigiert werden. Die damit einhergehende Verkürzung um 4 bis 5 mm reduziert zudem den Druck im arthrotisch veränderten Gelenk. Zusätzlich wird bei der Moberg-Osteotomie ein Keil aus der Phalanx proximalis genommen und der Knochen nach oben zugeklappt. Dies führt dazu, dass der Grosszeh wieder etwas mehr Bewegungsspielraum nach oben erhält und das Gehen erleichtert wird.
Als endgültige Behandlung bleibt die Versteifung des Grosszehen-Grundgelenkes mit Schrauben oder einer Platte, was eine gute Schmerzfreiheit ergibt. Neuere Implantate wie Cartiva (wie eine Art Kontaktlinse im Grosszehengrundgelenk) sind nicht so erfolgreich, da sich in unserer Erfahrung und auch in wissenschaftlichen Publikationen gezeigt hat, dass diese wieder einsinken und nach einem halben Jahr der schmerzhafte Vorzustand wieder erreicht sein kann. Auch künstliche Gelenke wurden zwar entwickelt, konnten sich aber nicht auf breiter Front durchsetzen, weil sie im Vergleich zur Versteifung relativ komplikationsträchtig sind, wogegen die Versteifung sehr gute funktionelle Resultate zeigt. Bei älteren Personen über 80 oder bei rheumatischer Grunderkrankung ist es möglich, nur das Grosszehen-Grundgelenk zu entfernen (Operation nach Keller-Brandes). Der grosse Vorteil dieser Operation ist, dass man sofort auf den Fuss stehen und voll belasten kann und die Patienten danach sehr häufig sofort schmerzfrei sind. Der Nachteil ist allerdings die etwas fehlende Funktion und die (auch optische) Verkürzung der Grosszehe.

Wie ist die Nachbehandlung nach einer Operation?

Die Naht eines Bänderrisses am oberen Sprunggelenk ist eine routinemässige Operation. Die Ruhigstellung erfolgt während 6 Wochen in einer Unterschenkelorthese mit Teilbelastung an Stöcken von ca. 10 bis 15 kg. Danach wird mit Physiotherapie begonnen.

Welche Risiken hat eine Hallux rigidus-Operation?

Bei einer gelenkserhaltenden Operation besteht ein gewisses Risiko (gemäss Studien ca. 15%), dass sich eine Arthrose aktiviert. Das heisst, dass die Arthrose danach mehr Schmerzen macht als vor der Operation. Dies kann man in erster Linie mit Schmerzmitteln und eventuell einer Kortisoninfiltration behandeln. Eine Aktivierung tritt insbesondere nach einer reinen Cheilektomie (Gelenktoilette) auf. Dies, da durch die Entfernung der Osteophyten das Gelenk wieder beweglicher wird, einen grösseren Bewegungsumfang durchläuft und damit die – auch nach der Operation unverändert vorhandenen – Knorpelschäden vermehrt gereizt werden. Desweiteren kann bei den Osteotomien, sowie auch der Versteifung in seltenen Fällen (ca. 5%) der Knochen in der erwarteten Frist nicht heilen. Nachdem man zunächst für weitere 6 Wochen bis 4 Monate mit einer Carbonsohle das Gelenk ruhig gestellt hat, kann danach allenfalls mit einer Stosswellentherapie unterstützt werden. Heilt auch mit diesen Massnahmen die Versteifung oder die Osteotomie nicht (Pseudarthrose) und verursacht dies Symptome, muss letztlich über eine Revisionsoperation diskutiert werden.

Weitere Informationen zum Thema (tiefergehendes Wissen)

Weitere Informationen zu Hallux rigidus und den genannten Behandlungen finden Sie unter:

Informationen zum Bänderriss